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Themen - Lärm

Weniger Strassenlärm - mehr Gesundheit
Strassenlärm steht in der Rangliste der Lärmverursacher mit Abstand an erster Stelle. Nach Ablauf der in der Lärmschutzverordnung ursprünglich festgelegten Sanierungsfrist hatten die Kantone erst rund ein Drittel der vorgeschriebenen Sanierungen geschafft. Der Bundesrat hat die Frist nun verlängert (Nationalstrassen bis 2015, Hauptstrassen bis 2018). Es ist zu befürchten, dass mit dieser Fristverlängerung kaum eine Beschleunigung der Sanierungen festzustellen sein wird. Es kommt Zweifel auf, ob wirklich alle Kantone ihre Sanierungspflicht nun energisch in die Hand nehmen und bis Fristende die Fertigstellung garantiert ist.

Leidtragende sind die vom übermässigen Strassenlärm Betroffenen - die AnwohnerInnen und HausbesitzerInnen - welche gesundheitliche, soziale und finanzielle Auswirkungen seit Jahren in Kauf nehmen müssen. Störung der Kommunikation, der Entspannung und des Schlafes treten auf, gefolgt von Konzentrationsminderung und Leistungsdefiziten. Lärm führt zu einer Zunahme der Bluthochdruck bedingten Krankheiten, aber auch zu Herzkrankheiten wie Herzinfarkt. Sogar frühzeitige Todesfälle sind auf den Strassenverkehrslärm zurückzuführen.

Es ist bekannt, dass Kinder, die ständig hohen Lärmpegeln ausgesetzt sind, Konzentrationsschwierigkeiten haben, eine verminderte Lese- und Sprechfähigkeit entwickeln und eine beeinträchtigte Problemlösungsfähigkeit aufweisen. Als Tendenz muss angenommen werden, dass diese Kinder eher schlechtere Karten für eine gute Schulbildung und spätere erfolgreiche Berufsausbildung haben.

Belärmte Wohnungen sind weniger gefragt als vergleichbare Wohnungen in ruhigen Gebieten, was sich in einem tieferen Mietpreis niederschlägt. Auf rund 770 Mio. Schweizer Franken pro Jahr belaufen sich alleine die durch Strassenlärm verursachten Mietzinsausfälle für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer, wie eine neue Studie des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) berechnet hat. Ein weiterer Grund, die Sanierung der lärmigen Strassenabschnitte voranzutreiben.

Wenn die Betroffenen nicht bis zum St. Nimmerleinstag auf eine ruhigere Wohnlage warten wollen, müssen sie Druck auf die Kantone ausüben, um den Eifer der kantonalen Vollzugsbehörden zu fördern. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz und die Schweizerische Liga gegen den Lärm greifen den betroffenen Menschen unter die Arme: ein Faltblatt orientiert über die Auswirkungen der Lärmbelastung, enthält die juristischen Grundlagen und gibt konkrete Handlungsanweisungen, wie Betroffene vorgehen müssen, um beim Kanton eine Verbesserung ihrer Situation zu fordern und zu erreichen. Ein Musterbrief mit den richtigen Formulierungen erleichtert die Anfrage.

Lärmbekämpfung ist ein wichtiges gesundheitspolitisches Anliegen. Die Sanierung der übermässigen Lärm verursachenden Strassenabschnitte ist aus ärztlicher Sicht ein prioritäres Ziel aber nicht das einzige. Die Bekämpfung des Lärms durch Massnahmen an der Quelle, wie technische Verbesserungen sowie Überprüfung des persönlichen Fahrstils und Mobilitätsverhaltens, sind weitere Forderungen an Gesellschaft und Politik.